Wearables als neue Werbeträger?

von Kerstin, August 2014

Mit Fitness-Armbändern hat vor drei, vier Jahren alles begonnen. Was sich daraus entwickelt hat, ist ein Megatrend: Wearables.

Wearables sind kleine Computer, die am Körper getragen werden. Mit ihren Sensoren nehmen sie Körpersignale wahr (Pulsmesser, Schrittzähler), liefern uns Informationen (Wetter, SMS, nächster Termin) oder erkunden für uns die Umgebung (Navigation). Während der Benutzung interagieren Wearables mit Smartphones oder zeichnen Daten auf, die später am PC ausgewertet werden können.

Derzeit vergeht kaum eine Woche ohne dass ein neues Wearable auf den Markt kommt oder angekündigt wird. Der Markt boomt. Vor allem im Gesundheits- und Fitnessbereich sind Wearables auf dem Vormarsch. Aber auch als „Verlängerung“ des Smartphones.

 

Fitness-Trainer fürs Handgelenk

Fitness-Armbänder messen den eigenen Aktivitätslevel, motivieren zu mehr Bewegung und zeichnen mittlerweile auch schon Schlafphasen auf
. Viele Armbänder verfügen über Bluetooth und liefern somit Daten in Echtzeit ans Smartphone. Andere wiederum können nur durch Anschließen an einen PC ausgewertet werden.

Das Fuelband von Nike war eines der ersten Fitness-Tracker:

nike-fuelband

Ganz neu auf dem Markt ist in österreichisches Produkt: das Runtastic Orbit.

runtastic-orbit

Fake oder echt?
Das für 2015 geplante Armband Pavlok will sogar mit Elektroschocks motivieren, wenn der Träger seine Tagesziele nicht erreicht.

pavlok

 

Smartwatch: Das Smartphone am Handgelenk

Die logische Weiterentwicklung des Fitness-Armbandes war die Smartwatch. Als direkte Verlängerung des Smartphones liefert die Smartwatch Informationen aufs Handgelenk, nimmt Anrufe entgegen, macht Fotos oder dient als Fernbedienung. Smartwatches werden per Touchscreen oder Sprachsteuerung bedient.

Fast jeder Smartphone-Hersteller hat mittlerweile bereits eine Smartwatch mit im Gepäck, zB Sony, Samsung oder Motorola. Aber auch alternative Hersteller wie Pebble Technology bringen vorzeigbare Geräte auf den Markt.

Sony Smartwatch

sony-smartwatch

Samsung Galaxy Gear 2

samsung-galaxy-gear

 

Wann kommt iWatch von Apple?

Einzig bei Apple steht die „iWatch“ noch aus. Insider spekulieren mit einer Präsentation des neuen Highlights vielleicht noch heuer, spätestens Anfang 2015. Erste stylische Fotomontagen sind im Netz bereits aufgetaucht und auch Gerüchte über die Entwicklung einer Gesundheits-App für das kommende iOS8 lassen auf einen baldigen Launch schließen.

apple-iwatch

 

 

Das kontroverse Wearable: Google Glass

Google Glass, der am Kopf getragene Minicomputer von Google kommt schon nahe an Augmented Realtity heran. Eine Digitalkamera nimmt die Umgebung des Trägers wahr. Durch die direkte Verbindung mit dem Internet können jederzeit Informationen abgerufen und ins Sichtfeld der Datenbrille eingeblendet werden. Die Bedienung erfolgt per Sprachsteuerung, Kamera, Telefon und Navigation per GPS sind bei Google Glass mitintegriert.

google-glass

Neben der Euphorie über diesen technischen Meilenstein, gibt es auch viele skeptische Stimmen: Datenschützer warnen vor den weitreichenden Konsequenzen für die Privatsphäre des Nutzers und die Menschen in seiner Umgebung. Google Glass ist theoretisch in der Lage unauffällig die Umgebung auszuspähen, Fotos und Videos zu machen und die Daten direkt ins Internet (und zu Google) zu schicken. In manchen Bars wurde daher ein Google Glass Verbot verhängt. Da der Verkaufspreis für die Datenbrille jedoch bei rund $ 1.500,- liegt, wird sich das Gerät im Alltag wohl nicht so schnell verbreiten.

 

Google forciert Entwicklung von Wearables

Immer mehr Firmen drängen auf den boomenden Markt der Wearables und bekommen auch noch Unterstützung: Google forciert mit Android Wear (Smartwatch) die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen und hat mit der Datenbrille Google Glass das Top-Wearable. Doch nicht (nur) der Nutzen für den User steht im Vordergrund, sondern die Fülle an Informationen, die durch das Tragen von Wearables gesammelt werden:

Wohin wir gehen, welchen Weg wir zur Arbeit nehmen, in welche Geschäfte wir gehen. Alles wird aufgezeichnet um bei der nächsten Benutzung die passenden Antworten auf unsere Fragen zu liefern
. Die Datenmenge, die beispielsweise eine aktive Datenbrille über seinen Träger und dessen Umgebung sammelt, ist gewaltig. Besonders beachtenswert: Mit Google Glass hat Google nun Zugriff auf das wichtigste Wahrnehmungsorgan des Menschen – dem Auge – und seiner Umwelt und erhält in Echtzeit Daten darüber, was der Träger sich gerade ansieht. Das bietet viele Möglichkeiten. Eine davon heißt Werbung.

 

Kommt bald Advertising auf Wearables?

Google generiert rund 84% seiner Einnahmen durch Werbung. Obwohl Google – in Hinblick auf die ohnehin schon negative Einstellung zu Google Glass – derzeit keine Werbung bei eigenen Wearables erlaubt, ist dies für die Zukunft nicht auszuschließen. Schließlich hat sich Google bereits ein Patent für Eyetracking-Werbetechnologie gesichert, einem Modell, wo man nicht mehr „Pay-per-Click“ sondern „Pay-per-Gaze“, also fürs Anschauen zahlt.

Auf Hersteller-Seite steht man dem Thema Werbung derzeit noch skeptisch gegenüber steht, vor allem aufgrund der geringen Akzeptanz durch den User (–> Mobile Advertising). Vermarkter und Media Agenturen beginnen jedoch bereits sich intensiv mit dem Thema Wearables zu beschäftigen. In großen Media-Unternehmen werden sogar eigene „Task-Forces“ gegründet, um Wearables auf ihr Potential hinsichtlich Advertising zu evaluieren.

 

„Jedes Gerät mit Bildschirm ermöglicht eine interessante Werbemöglichkeit.“
Atul Satija, inMobi

Wearables bieten zwar meist nicht viel Platz für Werbung, jedoch weiß man einiges über den Träger: Wo er sich gerade befindet, wohin er unterwegs ist. Datenbrillen können sogar ermitteln, was sich der Träger gerade ansieht, wenn er in einem Geschäft steht. In Kombination mit Location-Targeting und Behavioral-Targeting lassen sich personalisierte Werbekampagnen verwirklichen, die weit über einen Rabattcoupon fürs nahegelegene Kino hinausgehen.

Und ist der Platz auf dem Wearable tatsächlich zu klein, um Werbung anzuzeigen, so steht das „Mutterschiff“ Smartphone als Werbefläche zur Verfügung. Unsere gesamte Medienwelt ist bereits verbunden: Smartphones, Tablets, Computer oder TV-Geräten. Mit Cross-Device-Advertising in Kombination mit Wearables eröffnen sich nochmals unzählige Möglichkeiten.

Viel Gewinn darf man sich allerdings nicht erwarten: Gemessen am gesamten Werbemarkt werden Wearables nur einen klitzekleinen Teil am Werbekuchen ausmachen.

 

Fazit

Wearables gehören definitiv noch nicht zum Mainstream – und es wird sich erst zeigen, ob diese breiten Zuspruch finden werden oder als Gimmick für eine kleine Zielgruppe ihr Dasein fristen. Ob Google Glass oder eine Smartwatch nun wirklich cool aussehen, ist Ansichtssache. Wearables werden unser Smartphone nie ersetzen können, sondern vielmehr davon abhängen oder “nur” mit ihm zusammenarbeiten.

Betrachtet man den Werbesektor, so werden sich in der ersten Jahren sicher noch keine Umsätze mit Wearables machen lassen. Zu sensibel geht man mit den gesammelten Daten um, zu wenig Akzeptanz findet mobile Werbung derzeit noch. Aber in naher Zukunft – wenn sich Wearables am Markt durchsetzen – werden diese für den Werbemarkt definitiv ein Thema sein. Und dann ist es gut, als einer der ersten mitdabei zu sein, anstatt als dritter oder vierter erst auf den Zug aufzuspringen.

 

Quellen:

http://de.wikipedia.com

http://diepresse.com/home/techscience/hightech/1514426/Wearables_Smarte-Technik-direkt-am-Korper

http://www.indiatvnews.com/business/india/breaking-new-pavlok-wristband–13130.html

http://www.apfelpage.de/tag/iwatch/

http://www.knowyourmobile.com/wearable-technology/apple-iwatch/19775/iwatch-release-date-specs-features-apples-reinvention

http://www.android.com/wear/

http://www.pcwelt.de/ratgeber/Ratgeber-Internet-Das-Ende-der-Privatsphaere-8140096.html

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/google-sichert-sich-patent-auf-eyetracking-werbetechnologie-a-917497.html

http://trends.richards.com/paid-advertising-opportunities-in-wearable-technology/

http://adage.com/article/digital/adland-ponders-ad-potential-wearables/292382/

http://www.bloomberg.com/news/2014-07-07/advertisers-target-wearable-gadgets-as-next-ad-frontier.html

 



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